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ein hoch auf gaffa tape! und eine aeusserst naturgetreue nachahmung von haehnen

startklar in den loechern stand ich in der frueh um halb sieben zu esthers ueberraschen da. ich moechte die gebetsfahnenabnahme beim buddhistischen tempel zu sonnenaufgang zu sehen. das sollte eine geniale zeremonie sein. esther aenderte ihre meinung und kam mit. auf dem weg dorthin kamen wir bei kleinen aschehaufen vorbei - die ueberreste der fahnen, die waehrend diesem jahr gehangen sind. wir beobachteten zuerst aus der ferne wie die menschen zu gebetsgesaengen auf baeume und pfosten kletterten um dort die fahnen zu befestigen, im hintergrund der sonnenaufgang. nach einer stunde hat sich eine wand von fahnen vor uns in den himmel gebaeumt, die jetzt von den ersten sonnenstrahlen durchschienen wurden.

ich liess esther und ihren freunden zeit fuer sich alleine, zog mich zurueck, schlenderte durch die 2 hauptstrassen von mcloed. alleine waren die schreihaelse von den geschaeften noch unausstehlicher. allein in einer strasse wurde ich vier mal gefragt, ob ich denn alleine reis - unbehaglich. da setz ich mich lieber auf die wunderschoene terasse um dort ein bisschen waerme zu tanken.

 endlich mal mein gewand so richtig trocken und warm, ging ich meine haende waschen. denkste, dachte sich der boiler und schuettete seinen gottseidank nicht mehr heissen inhalt ueber mich - ein rohr machte sich selbstaendig. mithilfe des gaffatapes mit dem ich schon 2 mal meine jeans geflicht hab, schaffte ich ihn zu reparieren.

kurz vor vier in der frueh - der weg zum bus nach amritsar. 2 leute sitzen drin, freunde aus australien, richard und jenny, das gleiche reiseziel vor augen wie wir.
die reihen hinter uns waren leer. trotzdem bildet sich ein inder ein sich neben esther und mich hinzuquetschen, obwohl wir kaum platz hatten mit unseren rucksaecken. waere ich nicht zwischen zwei dieser rucksaecke gelegen, nicht nur physisch, sondern mental munter und unverfrohren gewesen, haette der bus meine kopf nicht immer wieder gegen die scheibe donnern lassen, waere ich dem werten unverschaemten herren, der nur einer vieler prachtexemplare dieser beinharten sorte war, gehoerig an die gurgel gegangen. stattdessen traeumte ich von luftmatratzen, federn, kleinen schmusekaetzchen und riesenhintern kubanischer frauen, die sich vorzueglich als polster eignen wuerden.

schoen wenn man jemanden hat, der fuer einen bellt - eine hand waescht die ander: team austria fand ein einigermassen gutes aber unfreundliches hotel raus, team australia handelte einen billigeren preis aus. als symbiosepartner dieser speziellen variante machten wir uns auf den weg zu der indisch pakistanischen grenze. zurechtgewiesen (u.a.) von inderinnen in der polizeikluft, in kugelsicherer weste mit scharfer munition, wurden wir zurechtgewiesen, die sitzordnung einzuhalten, waehrend die grenzwache in einer min. einstuendigen prozession die tore schliess und die flaggen einhohlte. alles in einem hoecht gockelhaften verhalten und mit den geschrei der menge: "hindustan sinsabad" was so viel wie lang lebe indien bedeutet.

wir speisten wie die goetter, lernten uns besser kennen und verabredeten uns fuer den naechsten tag in den tempel zu schaun, ob dieser nicht billigere schlafplaetze haette als dieses hotel, das ich auch immer weniger leiden mochte.

2 Kommentare 18.2.10 13:48, kommentieren

durch 12 gefaengnisse

Lehrveranstaltungsanmeldung, 9:45 (oesterreich) also 14:15 indien: gespannt, jede minute die homepage des plus online anmeldungssystem neu ladend, sass ich vor einem der langsameren computer des vollgestopften internetcafes. 3,2,1 los gehts, nerven liegen blank und ich koennte jetzt die vier rotz am aermel abschmierenden, laut schmatzenden und mich immer wieder stossenden tibeter neben mir an die gurgel gehen. mit esthers hilfe scchaffte ich es in fast alle unikurse. ich war ueberglueklich, weil der stress und die sorgen diesbezueglich abfieheln.

runter, richtung dharamsala, gehts zu einem freund von esther - tenzin tsundue, einem dichter und tibetischen wiederstaendigen, der schon in 12 verschiedenen gefaengnissen war, nur weil er in sein heimatland wollte. tara lernten wir dort kennen, eine uniprofessorin, tiefe falten, haengende wangen, aufgezeichnete, trotzdem natuerlich wirkende lippen und den stolz einer loewin. gemeinsam berichteten sie von friedlichen demonstrationen, deren ende sich oft in den polizeistationen ereigneten. ich wollte mehr wissen, las essays von ihm ueber tibet. schon mehr als 50 jahre versuchen die tibeter ein eigenes land zu bekommen. ohne erfolg. aber mit immer mehr aufsehen, wie z.b. bei den olympischen spielen in peking. picksuesser tee und capsey. ich sollte mir fuers einkaufen merken: oil, potatoes und pease. ich fragte ihn, wo man denn am besten peace einkauft, er deutete zum gemuesegeschaeft. nein, ich fragte nach frieden. er lachte, ueberrascht, leicht traurig.

den 3. losartag verbrachten wir wieder mit jampa. sie begann sich auf ploetzlich fuer massenkommunikation  als studium zu interessieren. ich versuchte ihr zu erklaeren, wie das studium so verlaeuft, sagte ihr aber auch, dass es in indien eindeutig anders ist als in europa.
der dalai lama war ueber den hauptfeiertag in mcloed ganj. heute sollte er wieder die kleine stadt verlassen. gespannt warteten eine horde von tibetern und anhaengern neben der strasse um noch einen letzten blick auf den nach amerika, zu obama reisenden heiligen, wie sie ihn nannten, zu erhaschen. der abschied fiel uns schwer.

tsundue erklaerte uns es waere der 2. losartag laut tibetischen kalender, der ab und zu einen tag dazu und einen tag weg nahm. es wird alles nicht so genau genommen. er zeigte uns einen film ueber die ueberquerung der grenze zu tibet "the failed secret mission to tibet", eine doku ueber einen vieler versuche nach tibet zu kommen, gefilmt von moenchen. verzweifelnd. beruehrend.

weitere geschichten ueber diverse ueberquerungen folgten. mit 22 den ersten versuch gestartet, niemanden davon erzaehlt. 5 tage herumgeirrt, halb tot von einem tibetischen polizisten verhaftet. schauergeschichten aus dem gefaengnis und freundschaftsaugenblicke, die einen am leben erhalten. er lebt fuer tibet, danach kommt der rest. ist staendig in kontakt mit leuten, die ihm helfen koennten das thema mehr publik zu machen. wieder ein sms. er antwortet ohne auf den display zu schauen. diskussion ueber die zeitung und ihre politik, ihren einfluss und wer die zeitung beeinflusst. mich zieht das thema an, weiss aber zu wenig. ich wuerde gern eine arbeit drueber schreiben, sagte ihm dies, kam mir peinlich und belaechelt vor. ich war doch zu still gewesen und er konnte mich nicht einschaetzen - diskussion. er griff das thema auf. es sollte mehr leute geben, die sich dafuer einsetzen. durch die blume gab er mir zu verstehen, dass er es wahrscheinlich doch nicht nur fuer das uebliche blabla hielt. er gab mir 2 buecher von ihm mit als geschenk.

im zimmer wartete ein immer lauter plaetscherndes boilermonster, ein kleiner see.

1 Kommentar 16.2.10 17:52, kommentieren

tashi delek und happy losar

das tibetische neujahr stand heute, am 14. februar an. 3 tage lang wuerde man es zelebrieren, den goettern opfer darbringen. deshalb bereitete sich das ganze kinderdorf darauf vor, putzte, backte leckeres capsey und donkey ears (knuspriger suesser teiggebilde). wir verliessen das dorf am tag zuvor und machten uns auf den weg nach mcloed ganj, einem oertchen obhalb von dharamsala, das dem dalai lama gegeben wurde, als ein erdbeben es zerstoehrt hatte.
wir schlenderten durch die 2 hauptstrasschen, die liebvevoll uebersetzt die hose genannt wurde, mampften momos, waehrend uns alle moeglichen haendler in ihre geschaefte und zu ihren staenden trieben. danach stillten wir erst mal unseren internetdurscht, bzw. plante ich fuer die lehrveranstaltungsanmeldungen am 15. vor.
das hostel, in dem wir uns einquartierten war echt gemuetlich, der am empfang stehende angestellte sehr zuvorkommend. als wir ihm sagten, dass der boiler nicht ginge, schickte er uns einen meschaniker. jetzt haben wir auch warmes wasser, dafuer tropfte der boiler immer mehr und mehr. im schlafzimmer hatte man das gefuehl, eine grotte wuerde sich nebenan befinden.

zurueck zu losar. am 14. zuckelten wir zurueck nach gopalpur, zum kinderdorf. assen bei jampa, probierten die dort traditionell getragene juppa an. vereinbarten, dass uns jampa die kommenden tage noch in mcloed ganj besuchen wuerde.
in jedem haushalt pflegt man einen eigenen schrein fuer den tibetisch buddhistischen glauben zu haben. dort wurde unter anderem tsampa (mehl), butter und getreide geopfert. man musste eine kleine zeremonie erfuellen, eine briese mehl mit einem kurz gemurmelten "taschi delek", das normalerweise eine begruessung war, ueber die schulter werfen.
eigentlich waren wir bei tendolma zum essen eingeladen. wir waren jadoch schon so voll, weil jampa uns immerwieder was anbot... da hilft kein nein. auch nicht bei tendolma. artig assen wir alles auf, hielten den teller von ihr entfernt, damit wir keinen nachschub bekamen. uns wurde chang, ein tibetischer reisweinwein aufgetischt. man loeffelt ihn, der reis schwimmt drin noch herum, so wie nuesse und trockenkaese, der wie die sohle eines 57jahre alten schuhs schmeckte. einfach runter damit... und laecheln.
2 weitere essstationen und einen loeffelchang spaeter machten wir uns gefuehlte 20 kilo schwerer auf den weg zum bus. ufff, war uns schlecht.

zitat des heutigen tages: "ich sollte nichts mehr essen... mampf"

1 Kommentar 14.2.10 10:10, kommentieren

busfahren - hier spielt sich das leben ab

wie vielleicht bemerkt, bin ich fleissig am nachschreiben von geschehenem und manipulier am datum herum, nur damits so scheint, als ob ich das ganz frisch von der leber schreib.
man hat hier nicht ueberall internetzugang und wenn, dann kann man sich gluecklich schaetzen, wenn der computer nicht zu langsam ist und eine halbe minute, nachdem du einen satz geschrieben hast die ersten drei worte buchstabe fuer buchstabe auf dem bildschirm erscheinen um danach das programm zusammenstuerzen zu lassen.

ich bin grad auf cloud 7, so nennt man den vielbesetzten computer im internetcafe von mcloed, in der naehe von dharamsala. neben mir, auf cloud 6 chattet gerade ein junger moench, zu meiner rechten, auf cloud 8, eine uebergewichtige starkblondierte amerikanderin, die in ihrem kaugummiamerikanisch kaugummikauend ihrer mutter erklaert, warum sie ausziehen moechte und, dass sie mehr geld brauchte, es sei ihr hier zu teuer...

das fotografierfieber hat mich gepackt. ich liebe gesichter, sie erzaehlen geschichten. der bus ist der lebensort schlechthin - nirgendwo kommt man sich so nahe, es geht immer noch einen inder in einen zum bersten voll gestopften bus. ein indisches fest beschehrte uns picksuessen orangen gries mit kokosnussstueckchen, der in silbernen pappschaelchen durch die fenster gereicht wird. die ganze fahrgemeinschaft schlemmert und versucht moeglichst wenig zu verpatzen...

ich dachte, mir wuerde das herz stillstehen als bei der hochzeit von meiner cousine christine und ihrem damaligen verlobten, jetztigen ehemann morten der alte schulbus kaum den thalgau berg hinaufgekommen ist, wir beim schalten ein paar meter zurueckrollten und ruckartig wieder fahrt aufnahmen. das war ein kleiner vorgeschmack fuer sanftes indiesches busfahren. man kann sich nur schwer ausmalen, was fuer kraefte auf einen einwirken, wenn man mit einem radikalbusfahrer die reise antritt.
maedchen laechelten mir zu, maenner versuchten plaetze neben mir und esther zu ergattern, schuljungen beobachteten uns durch den rueckspiegel des busfahrers. wuerde gerne fotografieren, habe aber alle haende voll su tun um nicht aus dem fenster zu fliegen. ein bruederpaar schlaeft am sitz hinter mir. wie kann man bei so einer fahrt nur schlafen - fuer mich unverstaendlich, obwohl ich das schon bei der herfahrt geschafft habe.

tibetischer tanz ist nicht wirklich das musikalischste, was man hier heroben im kloster finden kann, aber eine attraktion fuer sich selbst. spatanisch, bunt mit angsteinfloessenden masken und grimassen verabschieden sie das alte jahr und bereiten mit ihrem spuk die glaeubigen auf das leben nach dem tod vor. losar, das tibetische neujahr, sollte in ein paar tagen gefeiert werden.

die taxifahrt zum naechsten kloster durch den wald, idyllisch, aber in begleitung von westlicher musik. der taxifahrer spielte akon, eminem, backstreet boys, linkin park und am ende irgend ein verzerrtes gebruell ab, das wegen der schlechten qualitaet der boxen zu vibrieren begann, unverstaendlich wurde. einen groesseren schmerz in den ohren bereiteten als die lieder alleine.
hauptattraktion des groessten klosters in dieser gegend war die pampa rund um das kloster. der wasserturm, der von bambusstaeben gestuetzt wurde, fast zusammenzubrechen scheint. er wurde eines meiner lieblingsmotive - was sollte ich denn sonst fotografieren.

bus - stau - warten. ich lernte eine kleine indische schuelerin kennen. angu. sie war mit ihrer familie unterwegs, auch von einem indischen fest nach hause. ihr englisch war gut, sie war 14 jahre alt. wir plauderten. sie wurde durch den bus geschuettelt wie ein korn in einer rassel. ich versuchte sie zu halten. neben uns uebergab sich eine mutter aus dem fenster, der junge vater, gerade erst mal 20 kuemmert sich um ihren sohn, der das das treiben beobachtet als waere es alltag. fuer ihn ist es alltag.

mit dem satz "ich kanns nicht fassen, dass die leute hier drinnen schlafen koennen" verabschiedete ich mich in die welt der traeume. headbangen auf indische art hat auch stil, als weisse faellt man noch mehr auf.

1 Kommentar 12.2.10 09:37, kommentieren

die geldwaescherinnen auf einen tee bei den moenchen

hallo, ihr lieben! erst mal moecht ich mich fuer alle unfoermigen saetze, worte, etc. blabla entschuldigen... die tastaturen sind hier die hoelle und das internet und die rechner haben mich nicht ganz so gern, wie ich es von meiner flotten biene, mein lieber laptop, der grad zu hause, hoffentlich in bestem zustand ist, gewohnt bin...

weiter gehts... von den letzten paar tagen:
der regen und die kaelte liess uns nicht aus dem bett gehen ohne vorher mindesten 6 schichten angezogen zu haben. zu 2. unter einer decke pruefte ich jampas zimmergenossin tsering ueber die geschichte indiens nach 1800 ab, denn die tibethische matura stand vor der tuer. jampa ist aeusserst umsorgend, bringt uns tibetische nudeln zu hauf, schenkt uns warme knoechelwaermer.

blitz. donner.
irgendwann muss man auf jeder reise seine waesche waschen - der boiler hatte sich erwaermt, wir hatten die letzte halbe stunde strom. mit rei in der tube ausgeruestet stiefelten wir ins bad. stromausfall. im kerzenschein waschend ertastete ich papier in meiner tasche - geld, das normalerweise nach saemtlichen gewuerzen roch und dementsprechend ausah, faerbte das wasser im flimmernden licht golden. so etwas haette sich auch auf irgendeiner alm in den alpen abspielen koennen.
der regen liess uns zeit zum diskutieren, der tibetische kultur und freiheitsbewegung auf den grund zu gehen, zu bloedeln und das essen geniessen, das aus dahl (linsen) mit reis, tibetisches/indisches brot und saemtlichen gemuesesorten in indian masalla (gewuerz) und viel chili bestand. keine sorgen wegen hunger, eher sorgen, weil sie uns maesteten

nach zwei/drei tagen indisch/tibetischer kaelte kitzelten die ersten sonnenstrahlen uns raus ins freie. das zuerst so einsam wirkende kinderdorf erwachte zum leben - maedchen gingen spazieren, die muetter kuemmerten sich um die kleinkinder, die wie riesenwollkneul in der gegend herumwuselten und die maenner spielten cricket.

keine lust zum fotos machen, keine zeit zum filmen... doch wann sollte ich die 20 GB fotos denn schiessen?

mit Tenzin Dolma, kurz TenDolma, eine mathematiklehrerin, mit der sich esther beim letzten mal befreundete, machten wir eine kleine wanderung zu einem buddhistischen kloster. zum ersten mal sah ich die gebirgskette, die sich schneeweiss vor uns aufbaeumte, wolkenlos, wunderschoen. das frischgruene gras, die spriessenden blumen, die kaltfrische luft und die ersten waermenden sonnenstrahlen erinnerten an ostern.
oben angekommen, erklaerte uns tendolma u.a., dass die statue mit dem blauen gesicht fuer die verteidigung gegen das boese zustaendig ist. fuer mich sahs eher aus als waere sie jeder zeit bereit ihren mageninhalt auf den betrachter zu schuetten. doch ihre erhobene stolze haltung haette dies nur im akkutesten fall zugelassen... das koennte in gewisser weise auch eine verteidigung sein...

wohin man kommt, man trinkt tee. so wurden wir auch auf eine tasse bei den moenchen eingeladen. sie verstanden kaum englisch, wir kein tibetisch. trotzdem verstanden sie meine frage, ob ich ein foto machen duerfte - natuerlich. es lockerte alles auf. wir verabschiedeten uns von dem immerlaechelnde ruheausstrahlenden moench, dessen mundwinkel nach oben zeigen und mich deshalb irgendwie an meine freundin clara erinnerten, und stiefelten runter ins dorf um dort mit tendolma momos (mit kartoffeln, gemuese oder fleisch gefuellte nudeltaschen) zu kochen. als ich ansetzte um ein paar kinder beim spielen zu fotografieren, scharten sie sich zusammen, quetschten sich vor die linse der kamera und uberredeten mich immer wieder nur noch ein letztes foto von ihnen zu machen. einfach herzig.

wenn man etwas auf dieser reise lernen sollte, dann bestimmt nein zu sagen und den teller, wenn man nichts mehr essen moechte moeglichst weit weg vom gastgeber zu verstecken. ich kann nur sagen, dass ich mich noch nie so voll gefuehlt habe, wie an diesem abend, als ich spaet abends nach der momokochstunde mich den huegel zu unserem guesthouse hinaufrollte.

11.2.10 16:09, kommentieren

ueber stock und stein...

hinten auf der rikscha, die maedchen laechelten mir verlegen zu, vier jungen sprinteten lebensmuede quer ueber die kreuzung auf mich zu... wollen die auf die rikscha springen? oje, dann haette der arme fahrer noch mehr zu treten - ich hatte eh schon ein schlechtes gewissen, weil ich um 1-2 koepfe groesser war als die zierlichen inderinnen. naja, es haette das strampelnde skelett schlimmer getroffen, waere ich eine vom sonnenbrand geplagte uebergewichtige sagen wir mal amerikanerin, die allein fuer eine pobacke schon eine ganze rikscha beansprucht haette. zurueck zu den jungen. er stuetzte mein knie, hielt sich am wagen fest, versuchte anzutauchen, dem fahrer zu helfen, ein kurzes stueck bergauf. sie lachten.

der bus in den norden nach dharamsala hatte verspaetung, es war angenehm warm, nicht so schwuehl wie tagsueber. wartend, die anderen leute beobachtend knapperten wir an indisch gewuerzten chips.

esther begruesste einenbekannten, den wir im letztendlich gekommenen bus trafen aeusserst freundlich. ein lehrer der schule, in der sie nach der schule fuer 4 monate unterrichtet hatte. er war im falschen bus, aber musste auch nach dharamsala, bzw. ins TCV (Tibetan Childerns Village) gopalpur.

ich genoss die abendluft, doch zog wegen einer ohrfeige an gestank (in diesem fall wohl eher nasenfeige) den kopf wieder in den bus zurueck um mich die andere seite aus dem fenster zu legen... der geruch, schlimmer als der andere. neozitran, kaugummi, schal und ipot - ich hatte alles hier, was ich brauchte.

ein auto voller inder starrte mich an als waer ich von der venus, winkten mir zu, versuchten mit mir zu reden. ich verstand sie nicht, wollte sie nicht verstehen.

die ampel war rot, der ipot auf shuffle. bettler zogen ihre runden durch die wartenden konservenbuechsen. kleine selbstmordmaschienen, genannt motorraeder umzingelten uns. schwer bepackt. von vorne: geschaetzte 3-, 4- und 5-jaehrige kinder, der vater und die mutter auf den letzten zentimetern des gepaecktraegers, ein wahrscheinlich einjaehriges kind auf einem arm ballancierend. alle locker leicht und luftig gekleidet... organspender auf der schnellstrasse.
shuffle: das Chello Prelude von Johann Sebastian Bach vermischte sich mit dem strassen leben und den wuetndschreienden wasser und chipsverkaeufern, bettelnden kindern. pervers.

esther hatte mir von dieser reise erzaehlt. der bus sollte extrem holprig unterwegs sein - naja, so schlimm wars doch nicht. ein paar minuten spaeter wurde ich des besseren belehrt. die gesamte sitzflaeche der letzten reihe, an der ich mich festhielt landete mit mir auf den boden. fuer einen augenblick verliess ich den "festen" untergrund um mit einen rumps wieder aufs gestell zurueckzuknallen. ich hatte angst, dass den kameras was passiert und umklammerte statt der sitzflaeche meine tasche. ich gewoehnte mich daran und schlummerte ein. weitere hoehenfluege endeten mit abstecher zu der kopflehne von tibetischen moenchen auf dem boden.

den ruecken in wasser getaucht, wachte ich auf - wir seien in dharamsala. gefuehlte 25 grad kaelter, der himmel hatte sich in einen wasserfall verwandelt. ach, hallo, der lehrer war wieder da - wie sich herausstellte ein ungustl, der uns auf einen tee zu ihm ins tcv einlud. es war zu frueh um eine andere option offen zu haben, weil das kinderdorf noch schlief. meingott gehen wir halt auf einen tee, kann ja nicht so schlimm sein.
was er alles meinte: ich sollte mir mein gesicht waschen, ich saehe nicht gerade schoen aus, er waere in delhi gewesen, haette sich ein bisschen taufen lassen, ihm gefallen fast alle religionen, er koenne einen vers zitieren und waere damit unter anderem auch christ. ob wir fruehstueck wollen - wir muessten bald gehen. seiner meinung nach koennten wir ja alle gemeinsam in seinem zimmer fuer die naechsten paar tage uebernachten, es muesse ja deswegen nichts passieren. esther, mach doch was zum essen... das war genug - reissaus.
ein kurzer besuch bei jampa, einer schuelerin, die zu esthers tibethischer schwester wurde. konnte mich nur noch schwer wach halten, mir schwand die kraft. nein, bitte werd nicht krank... und ab ins gaestehaus unter die wollig weiche decke. immernoch eiskalt, fenster schlossen nicht. ich ass alles fettige, was ich fand - wie sollte ich halbkrank die tage hier ueberleben? es wuerde noch kaelter werden. feucht. stromausfall.

2 Kommentare 7.2.10 15:08, kommentieren

von schwangeren palmen, kichernden schulkindern und delhifantischem venedig...

mit dem taxi quer durch die strassen von neu und alt delhi, die armut allgegenwaertig, wenn auch versteckt - kaum bleibt das auto stehen, winden sich kinder vor der autoscheibe um ein paar rupi abzubekommen. man darf ihnen nicht in die augen schaun, sonst verliert man sich in ihnen und dem mitleid.

das jungelbuch in der mitte von neu delhi. die grosse moschee, eine ruheoase auch fuer tiere wie affen, hunde, streifenhoernchen und kleine bagieras in der groesse von katzen.
verhandeln um orangen - heute werden wir nicht ueber den tisch gezogen, auch wenn es nur ein paar rupi sind!

die hauptattraktion im humayas tomb waren fuer die vielen maedchen schulklassen wohl nicht die alten verastaubten graeber, sondern vielmehr esther und ich: umzingelt, haendeschuettelnd und gross beaeugt.
muede, schnupfen, krankheitsgefuehl. der richtigeort zum ausspannen war hier, in ruhe auf dem areal von uralten rotsandsteinbauten mit ultramarinblauen broeckelnden symbolen an der mit arkaden geschmueckten fassade, die in einer kuppel zum himmel zeigte.
beim heimweg stellte ich fest, dass manche palmen in der mitte des stammes besonders dick wurden - koennte an dem speziellen menschlichen duenger liegen, nach dem es in der ganzen stadt immer wieder heftigst duftete oder daran, dass sie einfach schwanger waren. mitten in der nacht haetten sie dann die kleine palme aus ihrem inneren senkrecht in die luft geschossen, auf dass sie wenige meter neben ihnen wurzeln schlage. bloedeleien - mir gings schon besser.

zwischendrin wurden wir von unserem taxifahhrer immer wieder zu plaetzen gebracht. vorbeifahren, fotomachen, sagen, dass es schoen ist und weiter gehts. parlament - knipps - india gate - knipps - die residenz - knipps...

ein tempel in form einer lotus, ruhe muss nicht tonlos sein. barfuss natuerlich. "miss, one picture please!" alleine vom heutigen tag haben 12 ander leute einen lebensmoment von mir eingefangen.

der letzte punkt unserer reise war ein park, ich nenne ihn indisches venedig - bruecken, verwinkelt mit vielen dhelifanten ausgestattet, wasserfaelle ohne wasser.

time to pay - esther regelte es diesmal, einen anderen preis als am vortag im gedaechtnis, handelte sie mit voller ueberzeugung etwas anderes ausgemacht zu haben, den preis um 250 rupi runter... was solls. kein schlechtes gewissen

6.2.10 14:10, kommentieren