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ueber stock und stein...

hinten auf der rikscha, die maedchen laechelten mir verlegen zu, vier jungen sprinteten lebensmuede quer ueber die kreuzung auf mich zu... wollen die auf die rikscha springen? oje, dann haette der arme fahrer noch mehr zu treten - ich hatte eh schon ein schlechtes gewissen, weil ich um 1-2 koepfe groesser war als die zierlichen inderinnen. naja, es haette das strampelnde skelett schlimmer getroffen, waere ich eine vom sonnenbrand geplagte uebergewichtige sagen wir mal amerikanerin, die allein fuer eine pobacke schon eine ganze rikscha beansprucht haette. zurueck zu den jungen. er stuetzte mein knie, hielt sich am wagen fest, versuchte anzutauchen, dem fahrer zu helfen, ein kurzes stueck bergauf. sie lachten.

der bus in den norden nach dharamsala hatte verspaetung, es war angenehm warm, nicht so schwuehl wie tagsueber. wartend, die anderen leute beobachtend knapperten wir an indisch gewuerzten chips.

esther begruesste einenbekannten, den wir im letztendlich gekommenen bus trafen aeusserst freundlich. ein lehrer der schule, in der sie nach der schule fuer 4 monate unterrichtet hatte. er war im falschen bus, aber musste auch nach dharamsala, bzw. ins TCV (Tibetan Childerns Village) gopalpur.

ich genoss die abendluft, doch zog wegen einer ohrfeige an gestank (in diesem fall wohl eher nasenfeige) den kopf wieder in den bus zurueck um mich die andere seite aus dem fenster zu legen... der geruch, schlimmer als der andere. neozitran, kaugummi, schal und ipot - ich hatte alles hier, was ich brauchte.

ein auto voller inder starrte mich an als waer ich von der venus, winkten mir zu, versuchten mit mir zu reden. ich verstand sie nicht, wollte sie nicht verstehen.

die ampel war rot, der ipot auf shuffle. bettler zogen ihre runden durch die wartenden konservenbuechsen. kleine selbstmordmaschienen, genannt motorraeder umzingelten uns. schwer bepackt. von vorne: geschaetzte 3-, 4- und 5-jaehrige kinder, der vater und die mutter auf den letzten zentimetern des gepaecktraegers, ein wahrscheinlich einjaehriges kind auf einem arm ballancierend. alle locker leicht und luftig gekleidet... organspender auf der schnellstrasse.
shuffle: das Chello Prelude von Johann Sebastian Bach vermischte sich mit dem strassen leben und den wuetndschreienden wasser und chipsverkaeufern, bettelnden kindern. pervers.

esther hatte mir von dieser reise erzaehlt. der bus sollte extrem holprig unterwegs sein - naja, so schlimm wars doch nicht. ein paar minuten spaeter wurde ich des besseren belehrt. die gesamte sitzflaeche der letzten reihe, an der ich mich festhielt landete mit mir auf den boden. fuer einen augenblick verliess ich den "festen" untergrund um mit einen rumps wieder aufs gestell zurueckzuknallen. ich hatte angst, dass den kameras was passiert und umklammerte statt der sitzflaeche meine tasche. ich gewoehnte mich daran und schlummerte ein. weitere hoehenfluege endeten mit abstecher zu der kopflehne von tibetischen moenchen auf dem boden.

den ruecken in wasser getaucht, wachte ich auf - wir seien in dharamsala. gefuehlte 25 grad kaelter, der himmel hatte sich in einen wasserfall verwandelt. ach, hallo, der lehrer war wieder da - wie sich herausstellte ein ungustl, der uns auf einen tee zu ihm ins tcv einlud. es war zu frueh um eine andere option offen zu haben, weil das kinderdorf noch schlief. meingott gehen wir halt auf einen tee, kann ja nicht so schlimm sein.
was er alles meinte: ich sollte mir mein gesicht waschen, ich saehe nicht gerade schoen aus, er waere in delhi gewesen, haette sich ein bisschen taufen lassen, ihm gefallen fast alle religionen, er koenne einen vers zitieren und waere damit unter anderem auch christ. ob wir fruehstueck wollen - wir muessten bald gehen. seiner meinung nach koennten wir ja alle gemeinsam in seinem zimmer fuer die naechsten paar tage uebernachten, es muesse ja deswegen nichts passieren. esther, mach doch was zum essen... das war genug - reissaus.
ein kurzer besuch bei jampa, einer schuelerin, die zu esthers tibethischer schwester wurde. konnte mich nur noch schwer wach halten, mir schwand die kraft. nein, bitte werd nicht krank... und ab ins gaestehaus unter die wollig weiche decke. immernoch eiskalt, fenster schlossen nicht. ich ass alles fettige, was ich fand - wie sollte ich halbkrank die tage hier ueberleben? es wuerde noch kaelter werden. feucht. stromausfall.

7.2.10 15:08

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


NaglStudio (16.2.10 19:19)
Erinnert mich alles daran, wie die lieben Jungs von Southpark glauben Kenny wäre tot, nachdem er vom Bus überfahren wurde.

Als Kenny (der vom Bus "nur" mitgeschleift wurde) dann in Mexiko zu sich kommt, bei seinen Freunden anruft und ihnen all seine Eindrücke beschreibt (bei weitem nicht so schlimm wie die deinen), sind sich die Burschen sicher: Kenny ist tot und in der Hölle gelandet.

Liebe Hanna!
Bitte nicht sterben und heil wieder zurückkommen!
Danke!


lahanna (17.2.10 09:16)
haha... keine angst, bin am leben, war nie weg und werd mich so bald auch nicht verabschieden!
obwohl, so eine busmitschleifpartie waer auch mal nett - koennte man sicher arrangieren

lieber nagl!
ich hab mit schlimmeren gerechnet hier in indien. es ist jetzt alles bestens und mir gehts gut. ich hoffe, zuhause laeuft auch alles deiner zufriedenheit entsprechend!
alles liebe,
hanna

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